Michael Winter hat als Familienunternehmer in 3. Generation die uvex group über mehrere Jahrzehnte in die Zukunft geführt. Vom Eintritt in das väterliche Unternehmen als Junior Product Manager Motorsport über die Verantwortung als Geschäftsführer für diesen Bereich bis hin zum geschäftsführenden Gesellschafter der weltweit tätigen Unternehmensgruppe und jetzt Teilhaber: Michael Winter war und ist sein Leben lang mit uvex verbunden. Im Interview spricht er über unvergessliche Momente, wichtige Meilensteine und seine schönsten Erinnerungen.
Wann und wie sind Sie in die uvex group eingetreten? Mein Einstieg in die uvex group war kein einzelner, klar definierter Moment, sondern vielmehr ein kontinuierlicher, stufenweiser Prozess. Schon als Kind war uvex in meinem Leben stets präsent – die Grenzen zwischen Familie und Unternehmen waren fließend und gingen ineinander über. Offiziell begann mein Weg im Oktober 1987 mit meinem ersten Arbeitsvertrag als Junior Product Manager Motorsport. Tatsächlich war ich schon immer ein Teil von uvex und lebte die Marke durch und durch. Die Firma war für mich mehr als ein Arbeitsplatz – sie war und ist ein wesentlicher Bestandteil meines Lebens und meiner Identität.
Wie haben sich Ihre Verantwortungsbereiche im Laufe der Zeit entwickelt? Im Laufe der Jahre haben sich meine Aufgaben und Verantwortungsbereiche bei uvex stetig weiterentwickelt und erweitert. Mein Weg begann im Motorsport, wo ich maßgeblich am Aufbau des Zweiradsegments beteiligt war. Anschließend übernahm ich die Geschäftsführung von uvex sports. Nach einem fast zweijährigen Aufenthalt in den USA kehrte ich Mitte 1992 zurück und führte gemeinsam mit meinem Schwager Werner Grau, der für ALPINA verantwortlich war, die uvex sports group bis ins Frühjahr 1999. In dieser Zeit lag mein besonderes Augenmerk auf Sanierungs- und Restrukturierungsaufgaben. Ab Mai 1999 wurde ich Teil der Holding, wo ich unter anderem die Überarbeitung der HR-Prozesse und die Führung der Marke verantwortete. Insgesamt war meine Entwicklung bei uvex stets ein organischer und schrittweiser Prozess, bei dem ich kontinuierlich mehr Verantwortung übernommen habe.
Was waren die bedeutendsten Momente in 100 Jahren uvex group? Aus meiner Sicht gibt es einige zentrale Ereignisse, die für das Unternehmen besonders prägend waren, und für mich persönlich von großer Bedeutung sind:
Anfang der 90er: Verkauf der Marke uvex in der Westlichen Hemisphäre
Die Bankenunabhängigkeit des Unternehmens als Ergebnis jahrelanger Strategiearbeit.
Portfolioentscheidungen wie das Schließen von Alpina Optik; Ende des Motorradsports oder der Einstieg in die Reithelmproduktion sowie weitere Restrukturierung- und Sanierungsmaßnahmen.
Übernahme von SwedSafe und Hexarmor. Wiedereinstieg in den Arbeitsschutzmarkt in der Westlichen Hemisphäre mit HexArmor.
Die Umstellung des Geschäftsmodells im Bereich der uvex sports group von Eigenproduktion auf Zukauf.
Der Teilverkauf an unseren Wachstumspartner Warburg Pincus und die damit verbundene Übergabe der operativen Verantwortung an Stefan Brück im Juli 2025.
Was würden Sie im Rückblick anders machen? Mit dem Wissen von heute würde ich mir wünschen, dass der Verkauf des uvex safety-Geschäfts inklusive der Marke uvex in der Westlichen Hemisphäre nicht stattgefunden hätte. Außerdem stelle ich heute mehr denn je fest, wie wichtig unser internationaler Umsatzanteil ist und wie belastend es für ein Unternehmen sein kann, zu großen Teilen vom Inlandsmarkt und seiner konjunkturellen Entwicklung abhängig zu sein. Aus heutiger Sicht wäre ein noch entschlosseneres internationales Wachstum – sowohl organisch als auch durch Akquisitionen – sinnvoll gewesen.
Die heutige Erkenntnis, dass die uvex sports group mit dem neuen Geschäftsmodell des reinen Zukaufs besser performt, impliziert natürlich auch, dass man möglicherweise zu lange an dem Thema „Made in Germany“ und Eigenproduktion festgehalten hat. Aber ich weiß auch: Jede Entscheidung wurde zum jeweiligen Zeitpunkt nach bestem Wissen und Gewissen getroffen.
Was sind Ihre schönsten Erinnerungen? Ein besonderes Gänsehautgefühl und Stolz bekam ich immer dann, wenn unsere Athletinnen und Athleten mit unseren Produkten gewonnen haben und auf dem Siegerpodest standen. Auf der anderen Seite, eher hinter den Kulissen, erreichten uns zahlreiche Dankesbriefe von Menschen, die schwere Unfälle erlitten hatten und die dank unserer Schutzprodukte häufig nur glimpflich ausgingen. Das machte mir die schöne Aufgabe, aber auch die große Verantwortung immer wieder bewusst. Und es ist natürlich immer eine schöne Erfahrung, wenn Strategien und Pläne aufgehen, wenn sich harte Arbeit und Fleiß bezahlt machen, wenn es gelingt das Team so zu motivieren, dass die Unternehmensgruppe im harten internationalen Wettbewerb performt. Wenn ich erlebt habe, wie aus Herausforderungen gemeinsame Erfolge wurden und wie wir Krisen zusammen erfolgreich gemeistert haben – das sind meine schönsten Erinnerungen, für die ich sehr dankbar bin.
Was wünschen Sie uvex für die nächsten 100 Jahre? Mein Wunsch für die uvex group und alle ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist es, dass die Werte, die uns stark gemacht haben, die Unternehmensgruppe auch in die Zukunft tragen: Innovationskraft als Treiber des operativen Geschäfts, Begehrlichkeit der Marken und Mut, den neu eingeschlagenen Weg als Chance zu ergreifen und mitzugehen. Ich wünsche mir rückblickend in ein paar Jahren sagen zu können, dass wir mit Warburg Pincus den perfekten Wachstumspartner ausgewählt haben, der uns dabei geholfen hat, die Unternehmensgruppe noch resilienter als in der Vergangenheit zu machen. Weiterhin sollte unser Ziel sein, mit unserem Geschäftsmodell protecting people auf den globalen Märkten auf dem Siegerpodest zu stehen.
Abschließend möchte ich mich von Herzen bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bedanken, die diesen erfolgreichen Weg mit mir gegangen sind und mit ihrem Engagement, ihrer Loyalität und ihrem Vertrauen die uvex group geprägt und begleitet haben. Ich hoffe sehr, dass sie auch künftig mit derselben Leidenschaft und Verbundenheit zur Unternehmensgruppe stehen. Gleichzeitig wünsche ich mir, dass die neue Generation mit frischen Ideen und ebenso viel Herzblut uvex als Plattform für Erfolg und Verantwortung versteht und weiterentwickelt.